“Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Wohnraum klaut!”

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 Wie die meisten Studenten haben Markus und Alex vor ihrem ersten Semester sehr lange gebraucht um in Münster eine bezahlbare Wohnung zu finden. Mittlerweile haben sie zwar eine Wohnung, zahlen aber zu viel, wie sie finden. Die jungen Eltern Gianna und Jürgen haben mit Glück eine gute Wohnung gefunden, müssen aber zusehen wie viele ihrer Freunde aus der Stadt ziehen, weil sie eine Wohnung mit genug Zimmern für die Kinder nicht bezahlen können. Deswegen sind sie am Samstag mit weiteren 250 Münsteranern demonstrieren gegangen – gegen Mietwahnsinn und für bezahlbaren Wohnraum.

„Münster ist eine lebenswerte und wohlhabende Stadt“, sagt Niko Köbbe bei der Auftaktveranstaltung der Demonstration am Hafen. „Über 4000 Leute müssen dennoch in Münster jeden Monat ihr Gehalt beim Amt aufstocken lassen, weil sie sich trotz eines Berufes keine Wohnung leisten können.“ Köbbe ist Mitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund und hat die Demonstration mit organisiert. Das Demobündnis wird außerdem von der Linken Münster, Verdi Jugend, dem AStA der Fachhochschule und vielen weiteren Organisationen unterstützt. „Ein breites Bündnis ist wichtig, denn dieses Thema betrifft alle Münsteraner“, meint Niko. Auch die Gruppe, die sich am Hafen eingefunden hat, ist bunt gemischt. Studenten, junge Familien und Menschen, die schon seit langem fest im Berufsleben stehen, sind da, um ihre Meinung kund zu tun.

Um 14 Uhr setzt sich die Demonstration lautstark in Richtung des Bahnhofes und weiter zum des Gebäude Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Bewegung. Denn gegenüber dem Institut für westfälische Regionalgeschichte steht die Wohnanlage Klostergärten. Diese wurde im Jahr 2010 für 55 Millionen Euro fertig gestellt und gilt als Immobilien-Flop. Selbst nach einer Senkung der Miete liegt der Preis pro Quadratmeter immer noch bei 14 Euro. Bei einer Zwischenkundgebung geht Benjamin Körner vom Demobündnis genauer auf das Problem ein: „In den Klostergärten stehen viele Wohnungen leer, weil niemand diese Preise bezahlen kann. Dafür wurde wertvoller Wohnraum verschwendet. Das können wir nicht weiterhin so hinnehmen!“, ruft er in die applaudierende Menge. „Normalbürger können das nicht zahlen. Was wir wirklich brauchen sind mehr Sozialwohnungen!“

Von hier aus zieht der Zug weiter in Richtung Innenstadt. Viele Menschen gucken der Veranstaltung vom Straßenrand aus neugierig zu, einige schliessen sich sogar an. Durch die gefüllte Innenstadt, am Rathaus vorbei macht sich die Demonstration auf zu ihrem Ziel – der Stubengasse. Auf dem Platz wird die letzte Kundgebung des Tages abgehalten. Michael Bieber von der „Bürgerinitiative Wohnen in Münster“ und Berenike Gais von der „Bürgerinitiative Wohnen in Erpho“ erzählen von ihren Erfahrungen und stellen Forderungen. „Das Thema Wohnen muss als soziales Grundrecht ernst genommen werden. Es kann nicht sein, dass Normalbürger aus ihren Vierteln vertrieben werden“, stellt Bieber fest. Die Demonstration soll nur der Anfang gewesen sein. Bis zu den Kommunalwahlen im nächsten Jahr will das Bündnis Druck auf die Politiker aller Parteien ausüben, um die Situation zu verbessern.

Pia Siemer

Wenn euch dieses Thema ebenfalls am Herzen liegt und ihr euch engagieren wollt, könnt ihr euch unter  http://mietenwahnsinn-muenster.de/ melden und informieren. Helfer sind immer willkommen.

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