Vierzehn Meter akustische Vielfalt im LWL-Museum

Das Foyer im neuen LWL-Museum für Kunst und Kultur. Foto: Stefan Eising.

Das Foyer im neuen LWL-Museum für Kunst und Kultur. Foto: Stefan Eising.

Wie viele Töne lassen sich von einer einzigen Person auf einem Piano und einem Cello, beziehungsweise einer Geige erzeugen, wenn man nicht nur Tasten und Saiten benutzt? Unendlich viele, zeigten Poppy Ackroyd und Sebastian Plano beim ersten Konzert im Neubau des LWL-Museums am Domplatz. Vor über 200 Gästen eröffneten die britische Musikerin und der argentinische Komponist am 20. Februar das Kulturprogramm im lang gestreckten Foyer unter einer beeindruckenden 14 Meter hohen Decke. Das Foyer ist schlicht in weiß gehalten, kann aber durch die jeweilige Beleuchtung in ganz unterschiedliche Farben und Atmosphären eingetaucht werden. Das Konzert wurde in Kooperation mit dem Gleis 22 organisiert. Die Meinungen über die zeitgenössische Klassik von Ackroyd und Plano gehen weit auseinander. Manch einer sieht darin die Weiterentwicklung der modernen Klassik, andere wiederum hören nur Walgesänge heraus. Auf ein Konzert zu gehen um anschließend in eine heftige Diskussion über Musik zu verfallen lohnt sich allemal. Vor allem, wenn das Konzert in einer so interessanten Umgebung stattfindet.

Poppy Ackroyd beweist auf interessante Weise, dass sich auf einem Piano unendlich viele Töne erzeugen lassen. Durch Klopfen, Kratzen und Berühren der Saiten selbst schafft Ackroyd die unterschiedlichsten Klänge und verbindet sie miteinander zu delikaten Melodien. Dabei erzeugt sie bis zu fünf Tonspuren gleichzeitig. Auch eine Geige benutzt sie gelegentlich. Die einzelnen Geräusche werden mithilfe ihres Laptops und eines digitalen Aufnahmegeräts in Dauerschleife abgespielt. Zusätzlich zeigte sie Visuals auf einer Leinwand, die die Thematik ihrer Songs unterstützen. Zwischendurch hauchte Ackroyd  einige Sätze in ihr Mikrofon, um die Hintergrundgeschichten zu einzelnen Liedern zu erklären. Das Lied „Rain“ zum Beispiel handelt von der Reise einer Freundin durch das verregnete Großbritannien. Bildlich kann man sich Momente der Reise, wie Szenen aus einem Film vorstellen, wenn Poppy Ackroyd diese musikalisch nacherzählt. Ist man in der richtigen Stimmung, lädt ihre leise Musik definitiv ein zu träumen und zu entspannen, ohne jedoch große Höhepunkte zu liefern. Das Publikum jedenfalls spendete großen Applaus und konnte die etwas schüchterne Engländerin zu zwei Zugaben bewegen.

 

Poppy Ackroyd im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Foto: Stefan Eising.

Poppy Ackroyd im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Foto: Stefan Eising.

 

Der klassisch ausgebildete Komponist Sebastian Plano verfolgt ein ähnliches musikalisches Konzept wie Ackroyd, spielt jedoch dabei hauptsächlich auf einem Cello und benutzt nur selten das Klavier. Seine melancholischen Melodien sind zuweilen stark verzerrt und anstrengend. Im Gegensatz zu Ackroyds Stücken sind die von Plano nicht so leicht eingängig, ebenfalls fehlt ihnen der Spannungsbogen. Aber das ist eben Geschmackssache. Fans von Michael Nyman, Peter Broderick oder Max Richter sind sicherlich auf ihre Kosten gekommen.

 

Sebastian Plano im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Foto: Stefan Eising.

Sebastian Plano im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Foto: Stefan Eising.

 

Beide schafften es jedenfalls, die tolle Akustik des neuen Foyers voll auszureizen und es lohnt sich sicherlich kommende Veranstaltungen des neuen Kulturprogrammes im Auge zu behalten. Am Freitag, den 11. April präsentiert das Theater Münster “Fragebogen- ein Tanzspiel”. Angelehnt an den berühmten Fragebogen von Max Frisch zu Themen wie Freundschaft, Hoffnung, Geld und Tod lassen Tommaso Balbo, Priscilla Fiuza  und Jonas Nondorf die Grenzen zwischen Tanz, Schauspiel, Musik und Sprache verschwimmen. Am Samstag, den 3. Mai findet dann ein AV-Picknick mit dem Komponisten Hauschka als Gast statt. Lichtkünstler Sven Stratmann verwandelt zu seinen Klängen das Foyer in ein leuchtendes Gesamtkunstwerk.

Das neuste Album von Poppy Ackroyd heißt „Escapement“ und ist 2012 bei Denovali Records erschienen. Dort ist auch seit kurzem das neue Album von Sebastian Plano „Impetus“ erhältlich.

Text: Pia Siemer

Fotos: Stefan Eising

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