Reise zur dunklen Seite des Mondes

Ihre Musik ist nicht nur etwas für die Ohren. Von Anfang an schickten Pink Floyd ihre Alben zusammen mit – inzwischen ikonisch gewordenen – Bildern in die Welt und reicherten ihren Sound mit visuellen Eindrücken an. Ein Prisma, das einen Lichtstrahl in ein Farbspektrum aufspaltet, ziert das Cover von „The Dark Side of the Moon“ (1973). Dieses Prisma bildet zusammen mit anderen Bildern (von Pyramiden, Monden und Uhren) den Ausgangspunkt für eine abwechslungsreiche Musik- und Lichtshow im Planetarium Münster.
Es beginnt mit einer düsteren Weltraumszene, mit dem Blick auf die von der Welt abgewandte Seite des Mondes. Darüber bewegt sich ein Dreieck aus Laserstrahlen. Die Himmelkörper beginnen, sich zu bewegen und zu drehen, die Konturen verschwimmen, die Farbstimmung ändert sich. Ein geometrisches Gebilde aus feinen roten Linien spannt sich unter der Kuppel, es scheint, als ob die Betrachter dort hinein gesogen werden und immer tiefer hinein fliegen in eine fremdartige Traumwelt.
Mit dem nächsten Stück der Platte ändert sich die Szene wieder, zur Musik wechseln sich geometrische Muster, Pyramiden- und Mondlandschaften, Rohrschacht-Bilder und Szenen mit Gegenständen ab. Lichtstrahlen fallen durch Gitterwände. Ein ständiger Wechsel zwischen hell und dunkel, Licht und Schatten und bunten Farben. Die Kuppel wirkt mal kastenförmig, mal rund, mal wie eine glatte Leinwand.

Die Lichtshow, die der Filmproduzent Aaron McEuen zu der Musik des Konzeptalbums speziell für die 360° Full-Dome-Technik konzipiert hat, wird weltweit in Planetarien aufgeführt. Sechs Beamer und mehrere Laser bespielen die Kuppel im Planetarium Münster, in einigen Szenen kommt noch Nebel dazu. Die Sitze lassen sich weit nach hinten kippen und drehen, der Runde Raum ist dunkel.
Der Film begleitet die Musik und greift auf Bildfolgen zurück, die die Band selbst über Skizzen und Storyboard mit ihrem Album verbunden hat. Am besten passt das bei den geometrisch gestalteten Szenen, wo sich die Formen – wie bei einem Kaleidoskop – immer weiter drehen und ständig verändern. So entstehen immer neue Punkte und Linien, an denen das Auge entlang gleiten oder sich festhalten kann. An einigen Stellen gerät die Umsetzung allerdings etwas platt, wenn bei „Money“ beispielsweise Münzen über die Kuppel regnen, Kassen rhythmisch springen oder Diamanten um ein Dollarzeichen tanzen. Hier wäre ein etwas abstrakterer Umgang mit der Bildsprache angemessener gewesen, da die komplexere Stimmung der Musik auf einen einzigen Aspekt reduziert wird. Die Musik selbst hätte ein wenig lauter sein können.

Besonders eindrücklich ist die Verbindung von Bildern und Musik auch bei Pink Floyds „The Wall“ und der dazugehörigen abgedrehten Bühnenshow, die als Vorlage für die Planetariumsshow diente. Hartmut Hoffmann, Vorführer im Planetarium, empfiehlt neben den beiden beim Publikum sehr beliebten Pink-Floyd-Shows besonders „Chaos and Order – A Mathematic Symphony“. „Da ist die Musik extra für das Zusammenspiel mit einer Lichtshow entstanden. Und im Intermezzo wird der Sternenhimmel an die Kuppel projiziert.“ Dafür sorgt der Sternenball, ein großes, türkisfarbenes rundes Zeiss-Gerät, das Herzstück des Planetariums. Er zeigt den Sternenhimmel von der Erde aus und kann jede Konstellation der Nord- und Südhalbkugel zu jedem beliebigen Zeitpunkt abbilden. Zusätzlich dazu gibt es 3D-Modelle auf den Rechnern, so dass um Beispiel bei der „Milliarden Sonnen-Show“ auch Flüge durch die Milchstraße möglich sind. „Für diese Reisen durch die Galaxien verwenden wir Daten von Raumsonden. Damit lässt sich der Weltraum erleben. Die Relationen sind ganz anders, was für unser Gefühl nach unten fallen müsste, bewegt sich in Wirklichkeit auf einer schrägen Bahn“, sagt Hartmut Hoffmann.

Text: Uta Schleiermacher

Fotos: Jan Lamprecht

Planetarium Münster

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