Regenschirmparade statt Sommerparty: Das Sommer-Fieber 2012

BOY beim Sommer-Fieber 2012 vor dem Schloss

BOY beim Sommer-Fieber 2012 vor dem Schloss. Foto: Stefan Eising

Wie schon so viele Festivals in diesem Jahr stand auch das Sommer-Fieber was das Wetter betraf unter keinem guten Stern. Das Festival, das alljährlich von den Medizinstudenten organisiert und dessen Erlös gespendet wird, wurde das eine oder andere Mal an diesem Abend von schwachen bis starken Regenschauern heimgesucht. Dies schien aber weder die 4700 Anwesenden noch die fünf Bands Dreadnut Inc., Phrasenmäher, Boy, Jupiter Jones und Jahcoustix zu stören, die vor der imposanten Schlosskulisse bis in die Nacht hinein feierten. Der Erlös ging dies Jahr an das Familienhaus Münster e. V., das am Universitätsklinikum Familien kranker Kinder unterstützt und insbesondere für auswärtige Familien Räume oder Wohnungen bereitstellt.

Nach monatelanger Vorbereitung wurde das sechste (und bereits seit Anfang Juli ausverkaufte) Sommer-Fieber von der achtköpfigen münsteraner Kombo Dreadnut Inc. mit einer Mischung aus Reggae, Funk, Hip Hop und Ska eröffnet. Die Band war locker, präsentierte sich als spielfreudige Liveband und brachte trotz kleinerer Regenschauer gute Stimmung und Sommergefühle auf den Schlossplatz.

Mit dem Auftritt von Phrasenmäher verschlechterte sich zwar das Wetter, keineswegs jedoch die Laune von Band und Publikum. Der Regen wurde sogar in die Show miteinbezogen, so gab es zwischen zwei Songs eine amüsante, wenn auch improvisierte Darbietung von „Singin’ In The Rain“. Dies war nicht das einzige Cover der Pop-Band aus Hamburg. Auch die berühmten missverstandenen Zeilen „Wer ist der Typ mit dem Turnschuh?“ aus „Killing In The Name Of“ von Rage Against The Machine und der 90er-Klassiker „Blue (Da Ba Dee)“ von Eiffel 65 wurden vom Publikum gefeiert. Phrasenmäher wissen, wie man das Publikum trotz immer größer werdender Regenschirmparade bei Laune hält. Dazu gehörten neben der energiegeladenen Bühnenshow auch die teilweise sehr amüsanten Texte der Band. Denn wer sich Zeilen wie „ Auf der Wiese sitzt ‘ne kleine Wanze/ Vorher saß sie auf der Mauer/ Auf dem Rücken trägt sie einen Ranzen/ und am Finger hat sie ein Aua“ ausdenken kann, der kann auch ordentlich für Stimmung sorgen.

Eins der Highlights des Abends war ohne Zweifel der Auftritt des Duos Boy, bestehend aus der Züricher Sängerin Valeska Steiner und der Hamburger Musikerin Sonja Glass. Obwohl Boy der Musikwelt noch nicht lange ein Begriff sind, durften die beiden sowohl mit ihrer Single „Little Numbers“ als auch mit ihrem Album „Mutual Friends“ bereits große Erfolge feiern. Dass es hier etwas ruhiger zugehen würde, verriet schon die Bühnendekoration. Große Glühbirnen, die auf der ganzen Bühne verteilt waren, passten perfekt zum Regenwetter. Boy eröffneten ihr Set mit „Drive Darling“ und das Publikum erwies sich von Anfang an als textsicher. Das Schloss, das gleichzeitig auch als Backstagebereich fungierte, stand besonders oft im Fokus der Ansprachen von Boy. Mit Veranstaltungen im Schloss stellen sie sich das Studentenleben sehr schön vor, bezeichnen die münsterschen Studenten sogar als verwöhnt. Auch wenn man vergeblich auf etwas Action auf der Bühne wartete, stieg die Stimmung des Publikums stetig bis pünktlich zum letzten Lied „Litte Numbers“ der Regen wieder einsetzte.

Auf Boy folgen die von vielen mit Sehnsucht erwarteten Deutschrocker von Jupiter Jones. Im Interview vor der Show hatten sie behauptet, dass sie dieses Jahr noch kein Festival gespielt haben, bei dem es während ihres Auftritts geregnet hat und deshalb würde es auch beim Sommerfieber nicht regnen. Die Erwartungen waren also dementsprechend hoch. Ob nun Glück, meteorologische Gegebenheiten oder hellseherische Fähigkeiten im Spiel waren ist nicht bekannt, aber es blieb tatsächlich trocken. Die plötzliche Besserung des Wetters schlug sich auch auf die Stimmung nieder. Vom ersten Lied „Hey! Menetekel“ an wurde gehüpft und mitgesungen. Der größte Hit der Band „Still“ war natürlich auch hier wieder der heiß ersehnte Höhepunkt des Auftritts.

Für einen runden Abschluss der Sommer-Fieber-Konzerte sorgte der Münchner Reggaekünstler Jahcoustix. Dieser hatte zwar nicht seine ganze Begleitband zur Unterstützung dabei, kreierte dafür aber mit akustischen Songs eine entspannte Atmosphäre. So konnten alle Festivalbesucher noch einmal durchatmen, bevor es auf der Aftershowparty im Heaven weiterging.

Sarah Stockinger

Links:

http://www.sommer-fieber.de/

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