DJs, Matsch und Rock’n’Roll – Das JuWi Fest 2014

 

Robin Schulz sorgte für viel Aufregung beim JuWi Fest 2014.

Robin Schulz sorgte für viel Aufregung beim JuWi Fest 2014.

Im Vorfeld mussten die Organisatoren wohl ordentlich zittern, schließlich versank das Juwi-Fest im letzten Jahr in  Regen und Matsch und es gab vermutlich niemanden der sauber und trocken nach Hause kam. Dieses Jahr waren die Wettergötter aber um einiges milder gestimmt und die Besucher konnten das komplett ausverkaufte Festival in vollen Zügen genießen. Matschigen Boden gab es jedoch auch in diesem Jahr wieder. So manch ein Besucher hatte vorgesorgt und kam in Gummistiefeln auf die Aa-Wiese.

Eröffnet wurde das Fest von der Hamburger Indie-Kapelle Pool, die trotz relativ kurzem Bestehen bereits international bekannt sind. Auch in Münster schafften die drei es, trotz früher Stagetime, eine recht beachtliche Menge an Zuschauern anzuziehen und zu begeistern. Etwas besinnlichere und kuscheligere Musik machten die Charity Children derweil im Innhenhof des Juridicums. Mit ihren zuckersüßen Indie-Folk-Duetten animierten die beiden Neuseeländer Chloë Lewer und Elliott McKee mit ihrer deutschen Band das Publikum und brachten es zum Tanzen. Somit wurden alle Festivalbesucher bereits perfekt auf das erste große Highlight des Abends eingestimmt.

Nach langem Warten und mit einer saftigen Verspätung betraten das schwedische Quintett, die Shout Oud Louds, die Bühne und eröffnete ihr Set mit “Walls”. Ein Lied das stellvertretend für den gesamten Auftritt steht – langsam beginnend mit einer gewaltigen Explosion am Ende. Das Publikum am Juridicum brauchte allerdings etwas Zeit um die poppigen Ohrwürmer wie „Fall Hard“ oder „Please, Please, Please“ zu verstehen. Gegen Ende der Show verstummten die Privatgespräche jedoch  und wichen Tänzen und guter Laune und gipfelten beim letzten Lied und wohl größten Hit der Band „Tonight I Have To Leave It“.

In einem persönlichen Gespräch nach ihrem Auftritt verrieten die Schweden, dass sie es sehr genossen hätten auf dem Juwi-Fest zu spielen und dass sie generell Fans von kleineren Festivals seien. Diese seien in der Regel mit viel Liebe organisiert und somit würden auch kleinere Fehler nichts ausmachen. Am Schluss erzählte Gitarrist  Carl von Arbin noch eine kleine Anekdote weswegen ihm Münster wohl für immer in Erinnerung bleiben wird. Beim letzten Auftritt der Band im Gleis 22 vor acht Jahren verlor Arbin nämlich seinen Schlüssenbund inklusive Haus- und Proberaumschlüssel. Trotz diesem kleinen Zwischenfall ist ihm Münster aber in positiver Erinnerung geblieben.

 

 

Als nächstes erklomm mit WhoMadeWho eine weitere erfolgreiche skandinavische Band die Bühne. Deutlich merkte man, dass die drei dänischen Musiker eigentlich aus völlig unterschiedlichen Genres stammen. Während der Gitarrist Jeppe Kjielberg eine klassische Ausbildung am Kopenhager Konservatorium für Rhythmische Musik absolviert hat und lange als Jazz-Musiker unterwegs war, ist der Schlagzeuger Malte Aarup-Sørensen einigen vielleicht noch als Mitglied der dänischen Indierockband Dúné bekannt, die schon als Vorband der Ärzte aufgetreten sind. Tomas Hoffding, der am Bass steht, spielte vor seinem Erfolg mit WhoMadeWho in  Garagen-Rockbands. Zusammen ergaben die verschiedenen Einflüsse sehr melodische Rockhymnen mit elektronischem Einschlag. Diese äußerst tanzbare Musik sorgte für pure Unterhaltung. Das liegt nicht zuletzt an den drei charismatischen Musikern selbst. Dass die Gitarre zwischenzeitlich den Geist aufgab fiel kaum auf, da der Bassist Tomas Hoffding die Zuschauer einfach mit ein paar Sätzen in brüchigem Deutsch bei Laune hielt. „Wir haben eine neue Platte eingekauft. Sagt man das so? Nein, wir haben sie ausgenommen… Auch nicht richtig? Wir haben sie aufgenommen! Und unser neustes Lied heißt: Das Morgen!“ Von so einem netten dänischen Akzent kann man nur entzückt sein. Doch die drei Musiker können auch ihre wilde Seite raus lassen und bereiteten dem Security-Personal mit waghalsigen Kletteraktionen über die Absperrung vor der Bühne mehr als nur einmal Kopfschmerzen. Vor allem der verwegene Jeppe Kjielberg lies es sich nicht nehmen am Bühnengerüst hochzuklettern, bis die Boxen wackelten oder seine Gitarre mit einer Bierflasche zu spielen. Die Besucher tantzen ausgelassen unter den großen, alten Bäumen auf der Aa-Wiese.

 

 

Für halb zwölf war der Auftritt von Robin Schulz im Innenhof des Juridicums angekündigt. Schon zwei Stunden vorher war der Ansturm auf die Bühne jedoch so groß, dass der Eingang zum Hof geschlossen werden musste. Der Osnabrücker DJ, der mit seinem Nummer 1-Hit „Waves“ bekannt geworden ist, war für viele Besucher des Festivals der Grund zu kommen. Dementsprechend eng und gedrängt sah die Situation vor der Bühne gegen elf Uhr aus. Bereits vor dem Auftritt kam es durch Rempeleien in der Menge zu mehren kleinen Paniken bei denen 50 Menschen oder mehr umfielen oder gegen den Zaun neben der Bühne gedrückt wurden. Der prominente Disc Jockey wäre wohl besser auf der Hauptbühne aufgehoben gewesen. Während er seinen Hit performte herrschte dann allerdings wieder eine angenehme Stimmung und die Menge tanzte ausgelassen unter dem sternenklaren Himmel.

Wesentlich entspannter ging es zeitglich nebenan auf der Aa-Wiese zu. David Lemaitre, der als kurzfristiger Ersatz für die australische Band Bonjah einspringen konnte, verzauberte ein kleineres Grüppchen von Zuschauern mit seinem entspannten Indie Pop. Unterstützt wurde er von einem Schlagzeuger und einem Geiger, während er selbst an der Gitarre stand. Nebenbei benutzten die Musiker auch Flaschen und die unterschiedlichsten Percussion-Instrumente um die feinen Melodien zu untermalen. Während die ersten Leute das Festival Gelände über die Brücke wieder verließen bot der Singer-Songwriter den perfekten Ausklang für diesen sommerlichen Abend, der Laune auf noch mehr Festivals gemacht hat.

Text: Sarah Stockinger und Pia Siemer

Fotos: Stefan Eising

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