hundreds, oder: Wenn die Musik sichtbar wird

hundreds_slider_NEU

Es ist nicht nur die Musik, die das Publikum beim Konzert von „hundreds“ in der Sputnikhalle in den Bann zieht. Die Geschwister Eva und Philipp Milner verbinden ihren Elektropop mit einer Lichtshow, die den Klang fast sichtbar werden lässt. Der Sound erfüllt den Raum zwischen zwei Podesten auf der Bühne, auf denen Philipp Milner und ein zweiter Musiker Klavier, Schlagzeug und elektronische Instrumente bedienen. Punkte, Schlangenlinien und Bilder durchschneiden als Visuals die Dunkelheit und treffen auf die Leinwand im Hintergrund. Und genau in der Mitte der Bühne, wo Musik und Licht aufeinandertreffen, tanzt Eva Milner. Ihr Körper scheint wie ein Spielball von Licht, Schatten und Klang zu sein, von denen sie sich durch die Luft wirbeln lässt. Dann tritt sie nach vorn ans Mikrofon, fängt an zu singen und übernimmt mit ihrer Stimme wieder die Kontrolle über die Musik. Ihr Gesang schraubt sich hoch und durchschneidet den Raum. Die Intensität der Musik steigert sich, bis es fast bedrängend wird.

Milner trägt ein weites, an den Ärmeln flatteriges Kleid. Die Vorderseite ist weiß und die Hinterseite schwarz. Die Visuals tauchen das Kleid in ein Muster aus kleinen Dreiecken. Von vorn ist sie wie die Leinwand eine Projektionsfläche für die Visuals, wenn sie sich umdreht verschwindet sie fast in der Dunkelheit. Linien setzen sich zu stilisierten Gesichtern zusammen, Streifen und Punkte regnen über die Leinwand und Milners Kleid. Ein Sechseck erscheint in der Mitte, dreht und verdoppelt sich, bis geometrische Formen ein glitzerndes Netz aus Linien über eine Hälfte von Eva Milners Gesicht legen. Die Sängerin spielt mit den Lichteffekten und fängt sie ein, sie verbindet sich mit der Musik und die Visuals zu einem schimmernden Gesamteindruck.

Vier Jahre hat es gedauert, bis die Geschwister Milner nach ihrem ersten Album von 2010 im Frühjahr dieses Jahres mit „Aftermath“ ihr zweites veröffentlicht haben. In der Zwischenzeit haben sie viele Konzerte gespielt und einige ihrer Songs haben sich bei den Konzerten entwickelt. Live klingen hundreds zum Teil kräftiger als auf dem Album. Die Bässe gurgeln und dröhnen zu Beginn von Songs wie „Beehive“ oder „Aftermath“. Die Single „Circus“ klingt trotz der auch hier tiefgründigen Texte leichtfüßiger.

Hundreds spielen inzwischen für ein gemischtes Publikum. Ihre Konzerte in Berlin oder Hamburg waren ausverkauft. In der Sputnikhalle mischen sich Studenten und ältere Zuhörer. Die Geschwister spielen Elektropop, der nicht kühl und distanziert wirkt, sondern insbesondere dank Milners Stimme viele warme und innige Momente hervorbringt.

Uta Schleiermacher
Fotos: Stefan Eising

Links:
Beehive (live)
hundreds

Kommentare

Schreibe einen Kommentar oder trackback von deiner eigenen Seite.. Du kannst die Kommentare auch abonnieren via RSS

Deine E-Mail wird niemals veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *