Design trifft Wissenschaft: Der Health and Nutrition Advisor beim Parcours 2014

Health and Nutrition Advisor

Health and Nutrition Advisor von Christian Pille

Jedes Jahr stellen die Designer der Fachhochschule Münster ihre Abschlussarbeiten vor. Beim sogenannten „Parcours“ bewältigen die Besucher einen Rundgang durch den Fachbereich Design, vorbei an rund 40 Projekten. Zwischen all den Illustrationen, Comics, Animationen, Apps und Videospielen geht man schnell unter, wenn man sich nichts einfallen lässt.

Einer der aus dieser Masse besonders hervorsticht ist Produktdesigner Christian Pille mit seinem „Health and Nutrition Advisor“: Mit dem von ihm entworfenen Gerät können medizinische Proben untersucht werden. Das besondere: Es ist sehr klein und kann so überall eingesetzt werden. Im Interview verrät er, wie er als Designer an ein so technisches Projekt herangeht:

 

 

Health and Nutrition Advisor (Modell) | Foto: Daria Hartmann

Health and Nutrition Advisor (Modell) | Foto: Daria Hartmann

fietscher: Was genau ist das für ein Gerät, das du entwickelt hast?

Christian: Das ist eine Kooperation mit dem Institut für makromolekulare Chemie an der RWTH Aachen. Die entwickeln eine Technologie, mit der man molekulare Verbindungen analysieren kann und damit innerhalb weniger Sekunden bestimmen kann, welche Stoffe z.B. in Blutproben, Urin oder Speichel vorhanden sind. Dadurch kann man schnell und direkt in Krisengebieten sagen welche Krankheiten vorhanden sind und welche Epidemien ausbrechen könnten.

fietscher: Du nutzt also schon bestehende Technik?

Christian: Die Technik besteht schon, ist aber viel größer und nicht wirklich mobil. Ich habe jetzt das Konzept entwickelt wie das aussehen könnte, wenn man diese Technologie in ein bis zwei Jahren wirklich mobil einsetzen kann.

fietscher: Wie genau bist du da vorgegangen? Kanntest du dich vorher schon mit der Materie aus?

Christian: Gar nicht. Ich war an technischen Themen interessiert und bin dann eher durch Zufall auf die RWTH Aachen und Professor Blümich gestoßen. Ich habe mich mit ihm getroffen und musste mich dann so nach und nach einarbeiten. Dann ging es weiter: Ich hatte grob eine Ahnung, wie die Technologie funktioniert, welche Bausteine ich habe. Ich habe mich letztendlich für die Entwicklungszusammenarbeit entschieden, aber wusste ja gar nicht welche Bedingungen da herrschen und wie ich die Probe im Gerät von A nach B bekomme. Dann weitergedacht. Die kontaminierten Proben sind hochgradig verseuchter, medizinischer Sondermüll. Was mache ich damit, wenn ich irgendwo in einem Entwicklungsland bin? Das kann ich ja gar nicht entsorgen. Und dann musste ich gucken, wie das ganze funktioniert. Es sollte auch für Laien bedienbar sein, was es noch schwieriger gemacht hat ein so komplexes Gerät zu vereinfachen. Ich musste mich mit Herstellern auseinandersetzen und war auf der Medica in Düsseldorf wo ich mit den Unternehmen gesprochen habe. Ja, das war schon gut Arbeit.

fietscher: Wie hast du das Problem mit den kontaminierten Proben gelöst?

Christian: Die Technologie wird von der TU Darmstadt entwickelt. Das sind Papierstreifen, die mit einem Polymer benetzt sind, wodurch so eine Art Mikrolabor auf einen Papierstreifen gedruckt wird. Die Probe wird auf dem Papierstreifen ins Gerät weitergeleitet, wird ausgewaschen, also von einer anderen Flüssigkeit durchs Gerät geschoben. Gleichzeitig wird mit noch einer anderen Flüssigkeit das Gerät desinfiziert. Die ganze Probe wird dann rausgeschoben, in den Papierträger rein und den Papierträger kann ich dann verbrennen.

Health and Nutrition Advisor

Christian Pille (rechts) erklärt den Health and Nutrition Advisor | Foto: Daria Hartmann

fietscher: Was muss man für eine Messung machen?

Christian: Ich habe das Gerät dabei. Dann habe ich diese Papierträger zur Probeneingabe. Zusätzlich ist ein Akku verbaut den ich austauschen kann. Außerdem habe ich einen kleinen Tank, der längerfristig drinbleibt, wo eine Flüssigkeit zur Reinigung drin ist und eine zum Auswaschen der Probe. Und ich habe einen kleinen Tank auf der Rückseite, wo Zusatzstoffe drin sind, die ich je nach Probe hinzufügen muss um die Messung zu ermöglichen. Den kann ich spontan austauschen, wie eine Tintenpatrone. Wenn ich Blut nehme, tausche ich kurz den Tank aus – das ist diese kleine Schublade auf der Rückseite – und hab alles dabei.

fietscher: Und was kannst du damit diagnostizieren?

Christian: Es ist immer abhängig davon welche Probe ich nehme, weil ich nicht immer jeden Schadstoff in jeder Probe vorfinde. Bestimmte Viren befinden sich nur im Urin oder nur im Blut. Ich muss schon ungefähr ein Bild davon haben was ich überhaupt vorhabe. Aber grundsätzlich jede molekulare Verbindung.

Über Bastian Worrmann

Ich bin hier der Videotyp. In Kamera, Schnitt und Animationen bin ich irgendwie so reingerutscht und mache das längst nicht mehr nur für fietscher. Auch die Angst vor dem weißen Blatt und dem blinkenden Cursor kann ich inzwischen ganz gut mit der Tastatur bekämpfen. Als gelegentlicher Schauspieler am Theater schreibe ich dann am liebsten... Genau. Über Theater.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar oder trackback von deiner eigenen Seite.. Du kannst die Kommentare auch abonnieren via RSS

Deine E-Mail wird niemals veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *