Geschichten auf Pappe

Manuel Rodriguez’ eindringliche Bilder erzählen die Geschichte einer Kindheit in Chile. Foto: Uta Schleiermacher.

 

Große Kinderaugen, die mehr sehen, als sie sollten, Flugzeuge, die Bomben abwerfen, Einschusslöcher in einer Hausmauer, Blätter, die von einem bedrohlichen Himmel zu Boden fallen – in Manuel Rodriguez eindringlichen Bildern stecken Geschichten und Geschichte. Der chilenische Künstler malt mit Acrylfarben in Schwarz, Weiß und Grautönen auf einfache Kartonpappe. Das Material – besonders die Farbe der Pappe – unterstützt seinen einfachen Stil. Die Bilder handeln von einer Kindheit in Chile zu Zeiten der Militärdiktatur. Obwohl sie schlicht und einfach wirken, drücken die Bilder Bedrohung und Verletzlichkeit aus. Waffen werfen unheilvolle Schatten, das Gefühl der Gefahr wird noch dadurch verstärkt, dass den Betrachtern die Szenen aus der Kinderperspektive vermittelt werden und das Kind auch Zeuge von Gewalt wird. Auf einem Bild verdeckt es seine Augen mit den Händen, wie um die Bilderflut abzuwehren und sich vor Schlimmerem zu schützen.

Manuel Rodriguez plant, die Bilder in einer Graphic Novel zu veröffentlichen. In seine Bildergeschichte fließen eigene Erinnerungen, aber auch viel Phantasie und phantastische Elemente ein. „Als Kind habe ich viele Science Fiction und japanische Anime-Filme im Fernsehen gesehen, auch das wird Teil meiner Bilder“, erklärt er. So sieht man ein Kind, dass Pinochet in der Hand hält – als ob es selbst Godzilla sei. Und damit erobert es sich ein wenig Handlungsspielraum zurück.

Eine Auswahl seiner Arbeiten ist unter dem Titel „Rebeldía Garten“ derzeit im „Lockvogel“ in der Neubrückenstraße 53/54 ausgestellt. Fietscher war bei der Ausstellungseröffnung und präsentiert ein paar Eindrücke. Die Ausstellung ist dienstags bis samstags von 10 bis 20 Uhr und samstags von 10 bis 15 Uhr geöffnet und geht noch bis zum 8. Juni.

Uta Schleiermacher

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