Erotisch skurrile Horrorgeschichte mit Biss

Hilfe, die Vampire sind los. Als am vergangenen Freitag die Vampire die Aula der Waldorfschule Gievenbeck in ihre blutigen Fänge nahmen, verfielen die Zuschauer schnell dem Bann dieses morbiden Musicals.

Das freie Musical-Ensemble Münster (FME) führte die Premiere von Dracula auf, die Geschichte vom Grafen Dracul, der sein Heimatland Transsylvanien gegen eine Übermacht der Türken verteidigt, doch bei seiner Heimkehr erfährt, dass seine geliebte Frau durch Verrat der Türken in den Selbstmord getrieben wurde. Aufgrund des Suizids verweigert die Kirche seiner Frau die letzte Weihe und so entsagt er sich der Kirche und schwört ewige Rache. Vierhundert Jahre später will Dracula nach London umziehen. Im Foto von Mina, der Frau seines Maklers Jonathan Harker, den er zu sich aufs Schloss geladen hat, erkennt er die Inkarnation seiner Frau. Er reist nach London um Mina zu sich zu holen, doch dort wartet auch schon Professor van Hellsing auf ihn, sein erbitterter Erzgegner. Aber Dracula wird noch viele Opfer fordern und erst nach einer dramatischen Verfolgungsjagd durch ganz Europa bis ins Heimatland von Dracula, Transsylvanien, gelingt es van Hellsing und seinen Verbündeten Dracula zu stellen.
Dieses Musical kann es mit jedem Action-Film aufnehmen. Ständig wird gemeuchelt, gejagt und geliebt. Das Blut fließt in Strömen und immer wieder gelingt es Dracula, für den Zuschauer völlig überraschend auf der Bühne aufzutauchen. Die realistischen Effekte lassen den Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren, bei dieser energetisch imposanten Bühnenshow. Dracula wird erschossen, verschwindet plötzlich, taucht wieder auf. Eine Vampirin wird mit Weihwasser begossen und fängt an zu bluten, sie wird gepflockt und geköpft und ihr Kopf als Trophäe präsentiert (Achtung, unbedingt Altersempfehlung beachten), ein Kreuz fängt auf magische Weise Feuer.

Auch den Darstellern merkt man die Freude an diesem morbiden Horrortrip an, wenn sieben leicht bekleidete Vampirinnen dem Bett entklettern und sich auf den verblüfften Jonathan Harker wälzen und schlängeln und sich danach genussvoll auf ein kleines Baby stürzen. An den Choreografien bei den Gesangsstücken, einstudiert von Johanna Patschke, kann man sich nicht satt sehen. Die Bühne ist erfüllt mit 30 tanzenden Vampiren oder den Insassen eines Irrenheims, die sich perfekt aufeinander abgestimmt bewegen und tanzen. Besonders bemerkenswert sind jedoch die Sänger, die, trotz der Tatsache das alles auf Ehrenamtlichkeit beruht, wirkliche Spitzenklasse sind. Wenn Mina, dargestellt von Junlia Hansen, sang, da lief mehr als einem Zuschauer die Gänsehaut über den Rücken.

Und die paar wenigen Pannen, die sicherlich bei einer Premiere nicht zu vermeiden sind, verzeiht man schnell, wenn man sich den Hintergrund des Projektes anschaut. Das FME spielt nämlich komplett ohne Gage, die Künstler sind dort alle nur aus Lust am Spielen, die Einnahmen aus den Karten werden nur zur Kostendeckung benutzt. Umso stolzer war Ingo Budweg, der Leiter und kreative Geist hinter FME, dass seinem Ensemble die Rechte an der Deutschlangpremiere vom Verlag überlassen wurden. Alles in allem kann man sagen, dass hier etwas ganz Großes im kleinen Stil geschaffen wurde. So ist es empfehlenswert, sich schnell Karten für die Termine in den nächsten beiden Monaten zu besorgen, nach dieser furiosen Premiere wird es sicher nicht mehr lange welche geben.

 

 

 

 

Weitere Termine:

Freitag 18. November 19:30 Uhr

Samstag 19. November 19:30 Uhr

Sonntag 20. November 17:00 Uhr

Sonntag 27. November 17:00 Uhr

Freitag 2. Dezember 19:30 Uhr

Sonntag 4. Dezember 17:00 Uhr

Freitag 9. Dezember 19:30 Uhr

Samstag 10. Dezember 19:30 Uhr: Derniere

Ticketpreise:
- Normalpreis: 20 Euro
- ermäßigt: 18 Euro (Schüler, Studenten, Menschen mit Behinderung)

Kartenverkauf: http://fme-ms.de/tickets/

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