Ein Seelenstriptease auf Socken – Geschichten des Isländischen Liedermachers Svavar Knútur

Svavar Knútur in der Pension Schmidt, Foto: Stefan Eising

Entspannt und mit einem charmanten Lächeln betritt der sympathische „Liedermacher“, wie sich Svavar Knútur selber nennt, mit einer Ukulele die Bühne in der „Pension Schmidt“. Ohne Schuhe beginnt er das vorletzte Konzert auf seiner fast einmonatigen Tour durch Deutschlands Kneipen und Clubs. Er verrät mir, dass er gerne auf Socken spielt, wenn die Bühne aus einem schönen Holzfußboden besteht, wie es in der „Pension Schmidt“ der Fall ist. Durch seine Füße fühlt er sehr intensiv. Doch würde er die Socken ebenfalls ausziehen, wären die Gefühle zu stark.

Emotionalität vermittelt er ab dem ersten Moment seines Auftritts. Die Gespräche im Raum verstummen, als Svavar mit einem Stück für seinen „Vati“ die Aufmerksamkeit der zahlreich erschienenen Gäste auf sich zieht. Mit diesem persönlichen Lied wird den Zuschauern schnell klar: Svavar öffnet sich seinen Zuhörern und erzählt mit jedem Song einen Teil seiner Lebensgeschichte.
Stücke, die keinen privaten Hintergrund besitzen und ein Stück seiner Seele preis geben, gibt es bei Svavar Knútur kaum, da er angefangen hat, Musik zu machen, nachdem er aufgrund eines Tiefpunktes in seinem Leben acht Jahre lang nichts mehr gefühlt hat. Die Lieder, die er daraufhin geschrieben hat, erscheinen umso gefühlvoller und regen zum Nachdenken an. Der Singer-Songwriter spricht von einem emotionalen und einem verrückten Teil seines Lebens, an denen sich auch das Konzert und die Stimmung der Musik orientieren.

Svavar zu Gast bei Butt’s: Ein Bier und zwei Kurze vom 13. Mai

Die erste Hälfte wird von melancholischen Stücken, die traurige und emotionale Geschichten erzählen, dominiert. So spielt Svavar Isländische Lieder seines erfolgreichen Albums „Amma – Songs from my grandmother“, welches im Wohnzimmer seines Produzenten aufgenommen wurde. Diese Lieder singt er in Gedenken an seine Großmutter, die an Krebs erkrankte, mittlerweile jedoch wieder gesund ist. Bei den wohlklingenden Tönen scheint es tatsächlich glaubwürdig, dass seine Musik bei der Heilung eine Rolle gespielt hat. Weiterhin singt er ein Lied über Fehler, die Menschen im Leben begehen und gibt zu: „Ich liebe es, Fehler zu machen.“
Kinderbücher zu lesen, ist etwas, das er ebenfalls liebt. Svavar berichtet von seinem Lieblingsbuch „Oh wie schön ist Panama“ und spielt ein Lied über die Geburt seiner Tochter. In „Slow dance“ wird die Geburt aus der Perspektive des verzweifelten Vaters beschrieben, was das Publikum zum Lachen bringt und zu einem Höhepunkt der ersten Hälfte des Konzerts wird.
Svavar integriert das Publikum häufig in seine Show und animiert regelmäßig zum Mitsummen und –singen. Er überzeugt die Zuhörer, indem er betont, dass man dabei zwölf verschiedene Bereiche des Gehirns aktiviert und der Kopf „wie ein Weihnachtsbaum aufleuchtet“. Mit seinen humoristischen Übergängen verbindet er ein Lied mit dem nächsten und kreiert einen inhaltlichen Rahmen der Show.

Der zweite Teil des Auftritts ist durch schnellere Stücke geprägt und steigert sich von Lied zu Lied zu einem verrückten Finale. Svavar trägt hierbei jetzt Schuhe.
Er singt über seine Ex-Freundin, über Zombies und über den schlimmsten Auftritt, den er je erlebt hat. Dieser fand in Leipzig statt und trägt dementsprechend den Titel „Leipzig“. Die ausführliche Beschreibung dieses desaströsen Abends gleicht einem Kabarettauftritt und die Gesichtsmuskeln der Zuhörer werden nicht nur durch das Singen, sondern auch durch Lachen strapaziert. Svavar gibt Kostproben seiner Interpretationen von „Eye of the Tiger“ und imitiert Bands, wie „The Prodigy“ oder „The Beach Boys“. Er behauptet von sich, gleichzeitig Künstler und Entertainer zu sein, was wohl das gesamte Publikum unterstreichen würde.

Mit den schnelleren Songs heizt Svavar den Zuhörern immer mehr ein und trinkt zur eigenen Erfrischung Bier, das er sich während der Show bringen lässt. Auf meine Frage hin, welches Bier ihm am besten schmecke – das vor, während, oder nach der Show- erwidert er, dass jedes seine Vorteile habe, das Bier vor der Show jedoch das leckerste sei. Er ergänzt, dass er nach der Show sowieso schlafen gehe und keine wilden Partys feiere.

Insgesamt wird das Konzert, das allein von Svavars Stimme und sein Gitarrenspiel getragen wird, durch die Geschichten und Anekdoten zu einem spannenden und abwechslungsreichen Erlebnis. Das gemütliche Flair der „Pension Schmidt“, was durch gedämpftes Stehlampenlicht, Trennwände und gepolstertes Sitzmobiliar verstärkt wird, bringt den Großteil des Publikums jedoch nach wenigen Stücken dazu, die Musik von Svavar als Hintergrundmusik wie aus der heimischen Stereoanlage wahrzunehmen und sich eher auf die Sitznachbarn und die mit ihnen angeregt geführten Gespräche zu konzentrieren. Lediglich die Zuschauer, die nah an der Bühne sitzen, verfolgen aufmerksam die gesamte Show. Doch ob die Musik eher untermalend im Hintergrund, oder als unterhaltsame Show wahrgenommen wird, für alle Zuhörer trug der Auftritt zu einem gelungenen Abend bei.
Mehrmals betont Svavar, dass er Münster liebt und das Münsteraner Publikum aus „wunderschönen Leuten“ besteht, sodass er sich schon auf einen nächsten Auftritt freut. Der auf diese Aussage folgende Applaus lässt darauf schließen, dass diese Vorfreude auf Gegenseitigkeit beruht. So postet ein begeisterter Zuschauer nach dem Auftritt auf der Facebookseite der „Pension Schmidt“: „Svavar for president“.

Lena Edling

 

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