Chaos und Kalkbrenner beim Docklands 2014

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Was so manches Festival in drei Tagen an Künstlern aufbringt, bietet das Docklands Festival an Münsters Hafen in 22 Stunden. Von Samstagnachmittag um 15 Uhr bis Sonntagmittag standen weit mehr als 50 Künstler an acht verschiedenen Standorten auf der Bühne, um das Publikum non-stop zum Tanzen zu bringen, darunter zahlreiche Größen aus der Elektroszene. Es war das fünfte Mal, dass das Festival in Münster statt fand. Dafür hatten die Veranstalter viel organisatorischen Aufwand in Kauf genommen, zum ersten Mal gab es in diesem Jahr eine Open Air Bühne neben dem Hawerkamp. Hier machten Aka Aka und Oliver Koletzki den Anfang. Ein sehr reibungsloser Ablauf und kurze Wartezeiten zwischen den Künstlern sorgten für eine tolle und entspannte Atmosphäre. Lediglich über die hohen Bierpreise, 4 Euro für ein reguläres 0,33 Liter Bier, hätte man sich beschweren können.

Gegen halb sieben legte das Duo Lexy & K-Paul auf. Mit ihren simplen Texten und einprägsamen Rhythmen brachten sie auch noch den Letzten im Publikum in Fahrt. Im bunten Konfettitaumeln tanzte die Menge aus mehreren tausend Leuten in der Sonne. Die Stimmung hätte nicht besser sein können, als der Hauptact des Abends die Bühne betrat: Fritz Kalkbrenner steht seinem großen Bruder Paul in Sachen Performance und Unterhaltung definitiv in nichts nach. Der sympathische Berliner mit der souligen Stimme wurde euphorisch vom Publikum begrüßt. Mit seinen bekannten Hits ging es stetig dem Sonnenuntergang entgegen. Als er gegen viertel vor Zehn seinen Auftritt mit dem Über-Hit „Sky and Sand“ abschloss rief das Publikum begeistert nach einer Zugabe. Doch die gab es nicht, denn der DJ wurde am selben Abend noch in München erwartet. Ist eben stressig, das DJ-Leben.

 

Nach dem ersten Teil des Elektrofestivals hatten die Besucher die Möglichkeit in die verschiedenen Clubs rund um den Hawerkamp, ins Heaven oder ins Jovel weiter zu ziehen. Bereits am Nachmittag wurde von den Veranstaltern darauf hingewiesen, dass die Festivalgäste sich auf die verschiedenen Clubs verteilen müssten – bei etwa 10.000 Menschen in diesem Jahr kein Wunder. Dennoch scheint es als hätten sich die Organisatoren bei den Kapazitäten und der Beliebtheit der einzelnen Auftritte verschätzt. Während im Heaven noch viel Platz frei war, als der populäre DJ Wankelmut sein Set spielte, wurde über das Fusion noch vor dem Auftritt des Duos Extrawelt aus Sicherheitsgründen eine 3 bis 4-stündige Einlasssperre verhängt. Darüber ärgerten sich viele Besucher, die viel Geld bezahlt hatten um ihre Lieblingskünstler live zu sehen.

Durch die Einlasssperre in der Fusion und im Conny Cramer kam es dazu, dass auch die weniger bekannten DJs ihre Sets vor großem Publikum spielen konnten. Im Sputnik Café wurde zu Remixen aktueller Nummer 1-Hits getanzt und in der Sputnik Halle lief klassischer Techno wie aus den besten Zeiten der Love Parade. Als dort um ein Uhr die Cyberpunkers dann in der ihr Set spielten, gab es keinen Halt mehr. Mit mächtigen dubstep-artigen Beats und bösen Störgeräuschen wurde aggressiv und vor allem sehr laut auf das Publikum eingedroschen. Letzteres feierte es, ist diese Musik doch immer eine gute Möglichkeit ein wenig Aggressionen los zu werden. So tanzte das Publikum wild zu der Musik im Strobolicht und der bösen Lichtkulisse und, nicht zu vergessen, vor dem maskierten DJ-Duo.

Das Fusion war letztlich fast mehr als überfüllt, da die Festivalbesucher wohl alle gerne Extrawelt und Co. sehen wollten. Mit den monotonen Beats und flirrenden Störgeräuschen brachten sie die Besucher in tranceartige Träumereien und verhalfen die Sorgen auf den Boden zu schmeißen und mit den Füßen zu zertanzen. Unter den verschieden großen weißen Bällen konnte man sich auch schon fast wie in fremden Welten fühlen. Auf dem zweiten Floor im Fusion wurde es schon ein wenig dubstep-lastiger mit Hip-Hop-Einflüssen. Hier wurde ein wenig verbissener getanzt. Menschen mit geballten Emotionen und Lust an schnellen Rhythmuswechseln in der Musik fanden hier was sie suchten. Im Conny Cramer war es wiederum monotoner und verträumter. Mit toll ausgearbeiteter Lightshow und urig umrahmten Bildschirmen mit reduzierten Mustern, die sich im Takt bewegten, gab es eine sehr stimmige Atmosphäre. Jeder tanzte sich in seine eigenen Gedanken und lies denen dann freien Lauf. Die Tänzer konnten nicht anders als dahin zu fliegen und sich treiben zu lassen.

Text: Pia Siemer und Leonard Hanke

Bilder: Dennis Stachel

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