Der Kulturdachboden in der Wörthstraße

Schummriges Licht, knarrender Holzboden, alte Sofas und Matratzen, kühle Luft und 30 gespannte Gesichter, die auf furchterregende Schaudergeschichten warten. Dieses Bild bot sich am Halloween-Abend auf dem Dachboden in der Wörthstraße. Passend zu Halloween fand dort eine Grusellesung statt und die Besucher wurden mit einem schaurigen Willkommenslied von Wilko Franz begrüßt.
Basti Vaterland war der erste Leser und erzählte dem erwartungsvollen Publikum von seiner Begegnung mit einem Erzdämon. Dieser erschien ihm vor ein paar Tagen, als er versuchte den Teufel zu beschwören. Bei der Unterhaltung schilderte der Höllenbewohner dem neugierigen Basti sein erstes Treffen mit Luzifer. Die Geschichte beinhaltete gruselige Clowns, dunkle Gewölbe und Schriften, die mit blutigen Fingern geschrieben wurde. Das Dachbodenpublikum lauschte gespannt und man hörte nur ab und zu ein nervöses Kichern.
Danach setzte sich Wilko Franz wieder auf die Vorlesercouch  und trug die mysteriöse Geschichte „Die Musik des Erich Zann“ vor. Ein Metaphysik-Student berichtet darin von einem Haus in der verlorenen Straße Rue d’Auseil, in der der bessesene Violinenspieler Erich Zann wohnte. Der kleine, magere Mann lebte auf dem Dachboden des Hauses und spielte nachts unheimliche Melodien auf seiner Geige. Dabei wurde er von dem Studenten belauscht, in dem die Neugier nach dem alten, gebrechlichen Musiker wuchs. Als er eines Nachts das rasende Instrument und einen Schrei des knöchrigen Mannes hörte, eilte er auf den Dachboden. Dort erlebte er einen irrsinnigen Zann und entdeckte, welchen Ausblick das Fenster bietet, welches eigentlich die Lichter der Stadt zeigen sollte. Um die Gruselstimmung zu verstärken, drangen an den passenden Passagen Geigenmelodien aus dem Nebenraum. Die wenigsten Zuhörer bemerkten, dass sich dort Sophie mit ihrer Violine versteckte.
Wem der Schrecken bei dieser Geschichte im Hals stecken blieb, konnte diesen in der Pause mit der frisch zubereiteten Feuerzangenbowle herunterspülen oder sich unauffälligl aus dem Staub machen.
Den zweiten Teil der Grusellesung leitete Nicolas Ermisch mit dem Gedicht „Der Rebenstecher“ ein.
Darauf folgte das Schauer-Highlight des Abends. Die beteiligten Leser berichteten von dem Mordfall der Kinder Franziska und Frederik Berg, die am 19. Mai 1957 tot auf dem Dachboden in der Wörthstraße aufgefunden wurden. Dabei nahmen Wilko Franz, Basti Vaterland, Nicolas Ermisch, Sophie und die Initiatorin des Abends Inga Rollen der an dem Mordfall beteiligten Personen ein. Ob der hinkende Handlungsreisende Winter, der Mörder war und ob der kopflose Mann, den die Kinder auf dem Speicher sahen, was mit dem mysteriösen Rohrbach-Mordfall auf sich hat, musste sich jeder selbst überlegen.
Inga, die Initiatorin der Dachbodenlesung und Bewohnerin der WG, zu der der Dachboden gehört, war nach dem Abend sehr zufrieden. „Das war so toll und hat großen Spaß gemacht. Ich hoffe, wir können das wiederholen.“ Eine Fortsetzung muss jedoch bis nächsten Frühling warten, da die Halloweenlesung die letzte Veranstaltung für dieses Jahr war.
Inga hatte sich damals bei der Wohnungsbesichtigung sofort in den dazugehörigen Dachboden verliebt. Nach Tagen des Entrümpelns, Aufräumens und Durch-meterdicke-Staubschichten-Kämpfens,  war ein gemütliches Plätzchen unter dem Dach hergerichtet. Inga verbringt dort gerne Zeit und so entstand eines Tages die Idee eine Band in dem kleinen Raum spielen zu lassen.
Das erste Dachbodenkonzert kam bei Besuchern und Band so gut an, dass sich schnell weitere Konzerte ankündigten. Mittlerweile ist der Dachboden so bekannt, dass die kommende Winterpause den WG-Bewohnern ganz gelegen kommt, um zu überlegen, wie sie mit der Popularität der Dachbodenveranstaltungen in Zukunft umgehen wollen.

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